In der Rubrik „Wissen“ wollen wir kurz unsere Grundüberlegungen darstellen. Es gibt so unendlich viel Wissen, dass wir hier nicht alles im Einzelnen aufführen wollen. Im Anschluss an die Darstellung unserer Position haben wir Links zu weiterführenden Artikeln oder Webseiten zusammengestellt.

Wie kann der Einzelne auf die Klimakatastrophe reagieren?
Die UN-Klimakonferenz 2019 in Madrid endet wieder enttäuschend: die politischen Repräsentanten der Gemeinschaft aller Staaten erkennen zwar mittlerweile die alarmierenden Erkenntnisse der Wissenschaft an: das Klima der Erde verändert sich! All dies ist bekannt und doch reagiert die Politik nur mit Lippenbekenntnissen oder Kleinstschritten, die der Größe der Aufgabe nicht gerecht werden. Alternativen wie ökologische Landwirtschaft, Umbau der Energiewirtschaft weg von fossilen Brennstoffen hin zu regenerativen Energiequellen, Wärmedämmung der Häuser, Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs usw. sind alle bekannt, aber werden nicht beherzt ergriffen! Die Erderwärmung müsste auf 1,5°C begrenzt werden, um einer Klimakatastrophe zu entgehen. Mit den jetzigen Maßnahmen ist dieses Ziel nicht zu erreichen.

Da stellt sich die große Frage:
Warum geschieht so wenig? Warum bleibt es beim „Weiter-so“?

Menschen scheinen mit drei verschiedenen typischen Reaktionsweisen mit dem Klimawandel umzugehen. (referiert nach einem Modell von Macy and Brown: Für das Leben!, 2017)

1. Eine Mehrheit von Menschen fühlt sich überfordert und reagiert entsprechend mit Fatalismus Ihre Haltung: „Es ist zu spät, es nützt eh nichts mehr.“ „Warum sollte ich jetzt meinen Konsum einschränken, dann nehmen sich nur die Anderen meinen Anteil?“ Und auch: „Ach, die reden nur so, so schlimm wird es schon nicht“. Und: „Was interessieren mich Dürren in Afrika oder Überschwemmungen in Bangladesch, mir geht es doch gut...“

2. Die Fortschrittsgläubigen vertrauen auf den Erfindungsreichtum der Menschheit
Die Anpassung an den Klimawandel wird in diesem Szenario durch Elektromobilität, neue Werkstoffe, CO2-Einsparung, ja sogar durch Düngung der Meere zur Erhöhung der Algenproduktion (die CO2 binden können) oder die Impfung von Wolken zur Klimabeeinflussung uvm. erreicht. Persönliche Veränderungen im Verhalten oder Denken sind in dieser Haltung nicht nötig, die Technik wird es schon richten!

3. Hoffnung auf einen großen Wandel des Bewusstseins
Wer mit dieser Haltung reagiert, erkennt in der Industrialisierung und der Entfremdung von der Natur die Ursachen der Misere und sucht die Lösung in dem Entwickeln einer achtsamen und nachhaltigen Lebenshaltung. Die Industrialisierung mit ihren Mega-Städten, der entfremdeten Lohnarbeit, der Auflösung sozialer Bindungen etc. schneidet den Menschen von seinen Grundlagen der Zufriedenheit und Lebendigkeit ab. Die daraus resultierende chronische Leere und Unzufriedenheit wird mit den Versprechungen der Konsumindustrie vorgeblich gefüllt: das neue Auto, das schickere Outfit, die nächste Flugreise in noch unentdeckte Südsee-Paradise…

... die Sucht nach dem Kick und die echte Lebendigkeit ...
Wie bei jeder Sucht hält der Kick nicht lange und verlangt nach dem Kater den nächst stärkeren Kick! Ein wirklich großer Wandel des Bewusstseins führt zu einem Erkennen dieser suchtartigen Fehlentwicklung und öffnet den Kontakt zu den wirklichen Bedürfnissen. „Verzicht“ ist dann nicht mehr wie von den Fortschrittsgläubigen mit Mangel und Entbehrung verbunden, sondern mit innerer Begegnung und dem Wieder-Entdecken der natürlichen Ressourcen in großer Frische und Lebendigkeit.

... Verleugnen von Bedrohung ...
Warum nur eine (zum Glück wachsende) Minderheit mit der 3. Haltung reagiert, kann mit einem Modell erklärt werden, das die existentielle Psychotherapie die Terror Management Theory nennt. (Im Folgenden beziehe ich mich auf Fabian Chmielewski: Die Verleugnung der Apokalypse in 3/2019 Psychotherapeutenjournal). Demnach reagieren Menschen auf existentielle Bedrohungen mit unbewussten Überlebensmechanismen. Dabei gibt es „funktionale“ und „dysfunktionale“ Antworten des Organismus. Auslöser dieser Strategien sind Situationen, in denen unsere Sterblichkeit bewusst wird. Wir wollen leben, und wissen doch, dass wir unausweichlich sterben müssen. „Dieses Wissen stelle für den Menschen einen nicht aushaltbaren Terror dar, der durch Ausblendung gemanagt werden müsse, damit ein normales Funktionieren weiterhin möglich ist“.

... archaische Reflexe statt kühler Kopf..
. Besteht akute Lebensbedrohung wird extreme Todesangst ausgelöst. Unser biologisch tief verankertes Stress-System wird aktiviert und stellt die nötige Energie für Flucht, Kampf oder Erstarren (Totstellreflex) bereit. Dies ist sinnvoll bei akuten, kurzfristigen Bedrohungen (Begegnung mit einem Bären in der Wildnis…) In Bezug auf die Klimakatastrophe sind diese Überlebensstrategien jedoch völlig ungeeignet, da die Bedrohung unsichtbar und langfristig ist. Statt unbewusst und reflexhaft müsste man reflektiert, gelassen und mit kühlem Kopf reagieren. Würden wir rational auf die offensichtliche Bedrohung reagieren, würden wir die Warnungen der Wissenschaftler ernst nehmen. Wir würden der Verhinderung der Vernichtung unserer Lebensgrundlage völlige Priorität einräumen und alle wichtigen Maßnahmen zeitnah einleiten. Doch kaum etwas davon geschieht, weil die Aktivierung unsere archaischen Bedrohungssystems uns eben nicht rational handeln lässt. Erstarren, Leugnen, Fliehen, in Ohnmacht resignieren hilft nicht.

... ignorieren und Verantwortung abgeben...
Christian Stöcker zieht in einem Artikel im Spiegel „Zerschlagt das Kartell des Nichtstuns“ Erkenntnisse der Sozialpsychologie zur Erklärung heran. Gut untersucht sind die Faktoren *Verantwortungsdiffusion - sind doch so viele Leute da, sollen erst mal die anderen machen *Pluralistische Ignoranz - wir orientieren uns in unserem Verhalten in ungewohnten Situationen automatisch und bevorzugt daran, wie sich die anderen verhalten. Wenn aber niemand etwas tut, kann auch niemand als Vorbild für aktives Eingreifen dienen. *Bewertungsangst – wenn ich jetzt etwas tue, ist es womöglich das Falsche, und dann lachen die anderen über mich.

Was kann helfen, dass wir handeln statt zu erstarren?
Gegen das aktivierte Terror Management System hilft das Erleben von Handlungsfähigkeit und Selbststeuerungsmöglichkeit. Da reicht es vielleicht im ersten Schritt, öfter mal das Auto stehen zu lassen und kleine Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu machen, oder seine Ernährung auf ökologische angebaute Produkte umzustellen. Gegen die sozialpsychologischen Phänomene hilft Aufklärung und Vorbilder. Hätten in den 80iger Jahren nicht eine Gruppe von Vorreitern mit der Mülltrennung begonnen, wäre es heute nicht eine für alle verinnerlichte Selbstverständlichkeit. Gleiche Effekte gelten auch auf der Ebene der Staaten: Wenn eine große Gemeinschaft wie die EU tatsächlich mit einem ökologischen Umbau beginnt, kann dies Vorreiter- und Vorbildfunktion bekommen.

Wichtig wird dabei die Konfrontation mit der weltweit vorherrschenden kapitalistischen Wirtschaftsweise. Solange unser Wirtschaftssystem Wachstum braucht, um zu bestehen, stecken wir in einer Zwickmühle: Ungebremstes Wachstum nennt man in der Medizin „Krebs“ und stellt eine Krankheit dar. Unsere Erde erschien zu Beginn der Industrialisierung unerschöpflich reich an Ressourcen, spätestens seit 1972 (also vor fast 50 Jahren!!!) der Club of Rome seine Studie „die Grenzen des Wachstums“ veröffentlich hat, wissen wir alle, dass wir dabei sind, die Ressourcen in Höchstgeschwindigkeit auszurauben. Auch hier ist die Politik mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen genauso gefragt wie jeder Einzelne, der sein Konsumverhalten hinterfragen sollte.

Meditation unterstützt den Wandel des Bewusstseins
Ein tiefgreifender Wandel des Bewusstseins ist nicht nur durch eine einmal getroffene Entscheidung erreicht, sondern braucht kontinuierliche Erneuerung und Bestätigung im Alltag. Die von Kindheit an eingeübten Konsummuster und Überlebensstrategien sind nicht nur durch Einsicht alleine veränderbar, sondern benötigen unermüdliche Unterbrechung der immer wieder auftauchenden Gewohnheitsmuster sowie das Einüben von neuen Verhaltensweisen. Deswegen ist es vielleicht angemessener, nicht von Haltung, sondern vom Pfad der Erkenntnis zu sprechen, der im ganzen Verlauf des Lebens weiter beschritten werden muss. Einsicht und Einüben im Alltag wird durch Meditation unterstützt.

... Emotionen werden ausbalanciert ...
Neurophysiologische Untersuchungen an Langzeitmeditierenden belegen, dass die für die Stressreaktionen zuständigen Region, die Amygdala im limbischen System, anatomisch kleiner wird, also nicht mehr so intensiv „anspringt“, während Areale im Präfrontallappen des Großhirns, die für die Emotionsregulation zuständig sind, vergrößert sind: Die Emotionen können besser ausbalanciert werden. Meditierende erleben diesen messbaren Umbau im Gehirn als die Fähigkeit auch bei hoher Belastung gelassener zu bleiben und zu reflektieren, bevor sie in unbewussten Reaktionsautomatismen verfallen. So gelingt es ihnen besser, pragmatisch und angemessen auf Herausforderungen zu reagieren und insbesondere bei sozialen Konflikten Lösungen zu erreichen, die Kompromisse und Win-Win-Situationen anstreben.

... Stress reduziert ...
Die buddhistische Tradition hat die Meditationspraxis in 2500 Jahren tradiert und weiter entwickelt. In den letzten Jahrzehnten wurden die Erkenntnisse zunehmend in westlichen Ländern bekannt und auch weiter entwickelt. So hat zum Beispiel der US-Amerikanische Mediziner Jon Kabat-Zinn eine auf Meditation beruhende Methode der Stressreduktion und Gesundheitsförderung entwickelt: „Mindfulness Based Stress Reduktion (MBSR) und systematisch wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse belegen die beeindruckende Wirksamkeit dieser Methode bei stressbedingten Erkrankungen wie Herz-Kreislaufproblemen, Psychosomatische Störungen, Depressionen, Ängsten. Und auch gesunde Teilnehmer erleben sich im Anschluss an das Training vitaler, belastbarer und ausgeglichener.

Buddha hat als Grundlage seiner Erkenntnisse die vier edlen Wahrheiten genannt. Damit bezieht er sich genau auf das Phänomen, das auch in der Terror Management Theory der Existential- Psychologie formuliert wird: Wir brauchen eine Antwort auf die Tatsache, dass wir alle zu erwarten haben: Alter, Krankheit, Tod. Die Buddhistische Antwort ist Loslassen von den Anhaftungen Gier, Hass und Verblendung, was zu Gelassenheit, Akzeptanz und innerem Frieden führt.

Jesus kommt mit seinem Satz: „Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel“ zu ganz ähnlichen Erkenntnissen. Wer seine Botschaft „Liebe den Nächsten wie dich Selbst“ ernst nimmt, kann nicht zur Vernichtung von Lebensräumen, Ausbeutung der Armen etc. schweigen.

Die Gaia-Hypothese stellt die Erde als lebendigen Organismus dar. Die Flüsse wären wie Adern, der Wald wie eine Lunge, der Wind der Atem. Alle lebenden Organismen bilden in ihrer Gesamtheit das Biotop. Beim Menschen wird das Gehirn als zentraler Ort des Bewusstseins angenommen. Wäre in der Analogie das Bewusstsein des lebenden Organismus verankert in den Morphogenetischen Feldern (einem Phänomen, das der Biologe Sheldrake als erster beschrieben hat)? So wie unsere Darmbakterien symbiotischer Teil unseres Ganzen sind, sind wir Menschen symbiotischer Teil des Lebewesens Erde? Wenn die Gaia-Hypothese stimmt, gibt es so etwas wie ein über-individuelles Bewusstsein. Und dann könnte es möglich sein, dieses Bewusstsein durch gemeinsame Metta-Meditation (Meditation zur liebenden Güte und Mitgefühl) positiv zu beeinflussen. Und dann wäre es auch möglich, so wie in alter buddhistischer und auch schamanistischer Tradition, die Erde durch Meditative Bewusstseinslenkung zu heilen und Frieden zu schaffen. Die freitägliche Meditation for Future möchte neben der individuellen Bewusstseinserweiterung mithelfen, auch dieses Feld zur Heilung der Erde mit aufbauen. Diesen gleichen Weg beschreiten z.B. auch die Gruppe „One Million Meditators“ oder auch die deutsche Buddhistische Union, die u.a. am Hambacher Forst das Seminar organisiert: „Leid bezeugen, Frieden schaffen“



Links



Weiterführende Information zu der Bewegung „Fridays for Future“ findest Du unter:
Fridays for Future

Argumente von Wissenschaftlern, die sich für die Einhaltung der Klimaschutzziele einsetzen, findest du unter: Scientists for Future


Informationen, warum Meditation den notwendigen Bewusstseinswandel unterstützt findest du bei: Psychologists for Future


Allgemeine Meditationsanleitung und wissenschaftliche Forschung zur Wirkung von Meditation z.B. unter:


MBSR Mindfulness Based Stress Reduction


Insighttimer.com


Headspace.de


Vertiefende Kurse und spirituelle Anregungen z.B. unter:


Buddha-Haus Meditations- und Studienzentrum


Deutsche Buddhistische Union


Teilnahme-App

Wenn du Freitags mit anderen zusammen meditieren willst, klicke einmal auf deinen Standort auf der Karte in der Teilnahme-App. Du siehst alle, die auch an diesem Tag mit dir zusammen meditieren.
Teilnahme-App

Meditation

Erfahre mehr darüber, warum wir glauben, dass Meditation hilft, den Problemen der Welt zu begegnen.


Meditation

Wissen vertiefen

Hier haben wir Links zusammengestellt, mit denen man sein Wissen über Meditation, der Änderung von Gewohnheiten und den Klimawandel vertiefen kann.

Wissen

Netzwerk

Hier gibt es Links zu Gruppen, die sich Freitags treffen um fürs Klima zu meditieren.



Netzwerk